Vorträge

Gendarmerie- und Polizeischule im Kloster Fürstenfeld

Donnerstag, 15. März 2018, 19 Uhr

Lokaler Machtfaktor und Täterort des Holocaust.

Die Polizeischule Fürstenfeldbruck im Nationalsozialismus

Die Polizeihochschule Fürstenfeldbruck ist die wichtigste Lehranstalt der bayerischen Polizei. Im „Dritten Reich“ war sie eine von nur zwei Offiziersschulen der uniformierten Ordnungsmacht. Während des Zweiten Weltkriegs stieg sie sogar zu ihrer bedeutendsten Bildungsstätte auf. Aus ganz Deutschland und Österreich kamen Männer nach Bruck, wo sie im ehemaligen Zisterzienserkloster zu Führungskräften der Staatsgewalt ausgebildet wurden. In erschreckend vielen Fällen nahmen sie anschließend am „auswärtigen Einsatz“ in den besetzten Gebieten teil und verübten dort vielfach Massenverbrechen. Die „Kaderschmiede“ der Ordnungspolizei prägte aber auch die Kommune entscheidend. Nicht zuletzt ihretwegen war sie im September 1935 zur Stadt aufgestiegen. Dort fungierte sie als lokaler Arbeitgeber und zugleich als Repräsentant des NS-Polizeistaats vor Ort. Sie war maßgeblich daran beteiligt, Feierlichkeiten und Gedenktage zu organisieren, deren Choreographie sie grundlegend mitbestimmte. Aus dem Stadtbild war sie gar nicht wegzudenken. So wollte sich die Schule als „Freund und Helfer“ inszenieren, um dadurch die Bevölkerung mit der nationalsozialistischen Ideologie zu konfrontieren. Allerdings verhielten sich nicht alle „Gesetzeshüter“ so vorbildlich, wie es dem obersten Polizeichef Heinrich Himmler vorschwebte. Denn kirchenfeindliche Aktionen, Straftaten und Gewaltakte brachten sowohl die Lehranstalt als auch die Ordnungsmacht in Misskredit. Hingegen begrüßte es der Schulleiter, wenn seine untergebenen Beamten beispielsweise Kriegsgefangene oder andere Ausländer diskriminierten. In der unmittelbaren Umgebung übten die Polizeischüler daneben auch Einsatztaktiken ein, die sie beim Judenmord anwendeten und so einen wesentlichen Anteil an der Shoah hatten.

 

Der Historiker Dr. Sven Deppisch hat die Geschichte der Polizeischule Fürstenfeldbruck eingehend untersucht. Von ihrer Gründung im Jahre 1924 bis in die heutige Zeit lässt er sie in seinem Vortrag Revue passieren. Vorrangig beleuchtet er, welch herausragende Rolle die oberbayerische Institution im NS-Staat und in der Kommune innehatte. Dabei klärt er darüber auf, wie sie diese exponierte Position erlangte und wie sie das Leben in Bruck beeinflusste. Anhand von ausgewählten Biografien zeigt er außerdem, wie sich zahlreiche Vertreter der Schule am Holocaust beteiligten und danach die Ausbildung der Nachkriegspolizei mitgestalteten.

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