Säkularisation in Fürstenfeld

Schicksale zwischen Kloster und Welt

Im Jubiläumsjahr wird sich das Stadtmuseum am landesweiten Großprojekt des Hauses der bayerischen Geschichte „200 Jahre Säkularisation in Bayern“ mit einer eigenen Ausstellung beteiligen. Begleitend zur Ausstellung werden auch Vorträge und museumspädagogische Veranstaltungen stattfinden; eine Begleitpublikation – eventuell in Zusammenarbeit mit den weiterführenden Schulen im Landkreis – ist geplant.

Die durch den „Reichsdeputationshauptschluss“ vom 25. Februar 1803 rechtlich möglich gewordene Aufhebung der ständischen Klöster in Bayern war für das Staatswesen und für das Land von epochaler Bedeutung. Ihre Folgen, die bis in die Gegenwart fortwirken, gehen über die oft betonten staatspolitischen, strukturellen, wirtschaftlichen und kulturhistorischen weit hinaus. Denn besonders auf dem Land hatte die Säkularisation eine umwälzende sozialpolitische Dimension, die den letztlich erst hier erfolgten Umbruch von einem seit dem hohen Mittelalter kirchlich geprägten zum modernen säkularen Staatswesen umreißt.

Der Staat, der sich zunächst an den Gütern der geistlichen Herren bereicherte, musste jetzt die sozialen Funktionen übernehmen, die bis dahin von den Klöstern geleistet wurden.

Zunächst galt es, nicht nur für die ehemaligen Zisterziensermönche zu sorgen, sondern sich auch um diejenigen zu kümmern, die mit dem Wegfall ihres klösterlichen Arbeitgebers keine Einnahmequelle mehr hatten. Vor allem das weltliche Dienstpersonal im Kloster, dessen bäuerliche Grundholden und die unmittelbar vom Kloster abhängigen Handwerker und Gewerbetreibenden des Marktes Bruck und der umliegenden Orte gerieten in eine bedrohliche Armut, zumal Versuche, sich bäuerliche Zusatzeinkommen zu schaffen, zumeist scheiterten.

Abt Führer

Ignaz Leiterberg

Weiß

Die Ausstellung beleuchtet das Ereignis der Säkularisation nicht unter dem Aspekt des materiellen, kulturellen und kunsthistorischen Verlustes, den die Räumung und der Verkauf des Klosters und seines kostbaren Inventars bedeutet haben. Sie spürt den Schicksalen der Personen nach, die im Banne dieses Ereignisses standen. Sie versucht Perspektiven und Lebenswege zu rekonstruieren, die sich für den Abt des Klosters, Gerard Führer, für die Fürstenfelder Konventualen und die weltlichen Dienstleute des Klosters ergaben. Sie zeigt, wie unterschiedlich einzelne Brucker Bürger die Probleme bewältigten, die sich aus der größeren Eigenverantwortung und Eigenständigkeit ergaben. Sie recherchiert Motive und Methoden, die das Vorgehen des Aufhebungskommissär Christian Adam Heydolph und anderer Persönlichkeiten, die für die Durchführung der Säkularisation verantwortlich waren, kennzeichnen. Nicht zuletzt widmet sich die Ausstellung den beiden ökonomischen Protagonisten der Säkularisation in Fürstenfeld, dem Kaiserlichen Posthalter Ludwig Philipp Weiß und dem böhmischen Kattunfabrikanten Ignaz Leitenberger, welche die Säkularisation als wirtschaftliche Chance betrachten konnten.

Die einzelnen biografischen Aspekte werden in der Ausstellung durch informative Texttafeln und Hörstationen, Porträts, Dokumente, Objekte zum Lebensumfeld oder zur Arbeit, sowie durch persönliche Gegenstände, soweit sich solche noch finden lassen, veranschaulicht.

Die Ausstellung soll den Besucher in eine persönliche Betrachtungsweise involvieren und die Säkularisation nicht nur als Umwälzung von sozial-historisch epochalem Ausmaß, sondern auch als menschliches und gesellschaftspolitisches Ereignis erfahren.

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